Familienrecht

Aktualisiert am 28.11.2019

Fehler bei der Scheidung, die Sie vermeiden sollten

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Welche Fehler sollten Sie bei einer Scheidung vermeiden und wie können Sie für einen reibungslosen Ablauf bei einer Trennung sorgen?

Selbst wenn Sie einen Anwalt für Ihre Scheidung haben werden Ihnen Fehler bei der Scheidung unterlaufen. Sie werden sicherlich nicht in Ihrer Bestform sein, wenn Sie sich mitten in einer Scheidung befinden. Es ist auch nicht gerade einfach die nötige Aufmerksamkeit zu bewahren, wenn das ganze Leben augenscheinlich zusammenbricht.

Gerade jetzt, an dem jetzt Ihre Emotionen außer Kontrolle geraten und Sie am wenigsten in der Lage sind, gute Entscheidungen zu treffen, wird von Ihnen erwartet, dass Sie viele verschiedene lebensverändernde Entscheidungen hintereinander richtig und möglichst fehlerfrei treffen.

Die Scheidung fühlt sich dann manchmal auch wie der Versuch an, sich in einem fremden Land zurechtzufinden, ohne überhaupt aber die Landessprache zu sprechen. Selbst wenn Sie Ihr Bestes geben, ist es immer noch ganz einfach, eine bestimme Lage fehlerhaft einzuschätzen, die dann vielleicht irreparable Schäden zur Folge haben wird.

Im Verlaufe meiner seit 2005 bestehenden Tätigkeit als Anwalt für Familienrecht habe ich sehr oft festgestellt, dass im Zusammenhang mit der Trennung und der damit verbundenen Scheidung immer wieder Fehler gemacht werden, die sowohl persönlich als auch finanziell weitreichende, zum Teil sehr gravierende Folgen hatten.

Welche Fehler sind bei der Scheidung möglich?

Bekanntlich liegt die Schönheit im Auge des Betrachters. Bei einer sehr kostenintensiven Scheidungsvereinbarung werden Sie sicherlich denken, dass Sie mit dem Abschluss der Scheidungsvereinbarung und der damit verbundenen Kostenlast einen Riesenfehler begangen haben. Ein anderer in Ihrer Position würde wiederum dies für eine hervorragende Idee halten, weil dadurch das Scheidungsverfahren viele Monate früher beendet werden kann, als es sonst regulär der Fall gewesen wäre.

Letztendlich sind die individuellen Präferenzen für die richtige Einschätzung maßgebend, die aber sehr unterschiedlich ausfallen können.

Nach meiner persönlichen Einschätzung gehören zu den Scheidungsfehlern alles, was Ihre Scheidung langfristig gesehen schmerzhafter und unangenehmer macht. Alles, was dazu führt, dass Ihre Scheidung länger dauert oder mehr als üblich kostet, erscheint mir zumindest, nicht unbedingt fehlerfrei.

Jede Verhaltensweise, was nicht im Einklang mit den persönlichen Grundwerten ist sollte meiner Ansicht auch vermieden werden. Auch sollte überlegt gehandelt und auch die künftige Folgen einer Verhaltensweise nicht außer Acht gelassen werden. Dazu gehören sicherlich auch Handlungen, die Sie zwar nicht in der Gegenwart, aber Sie dafür umso mehr in ein paar Jahren in die Enge treiben und damit verbunden belastend wirken können. Derartigen Aktionen sollte man möglichst aus dem Weg gehen.

Versuchen Sie die Scheidung möglichst fair und mit offenen Karten über die Bühne zu bringen.

Es ist zwar nahezu unmöglich jeden einzelnen Fallstrick bei der Scheidung zu vermeiden, allerdings werden Sie Ihre Scheidung gut überstehen können und dem Geschehen weit voraus sein, wenn Sie die meisten dieser von mir zusammengefassten Scheidungsfehler aus dem Weg gehen.

Die häufigsten Scheidungsfehler

Ich hoffe, dass Ihnen dieser Leitfaden eine kleine Hilfe sein wird, die von mir dargestellten grundlegenden Fehler bei Ihrer eigenen Trennung und Scheidung nach Möglichkeit zu vermeiden.

1. Der Anwalt für Ihre Scheidung wird alles für Sie erledigen.

Solange Sie nicht mehr Geld als Jeff Bezos haben, wird auch kein Scheidungsanwalt für Sie bei Ihrer Scheidung auch alles tun.

Kein Anwalt wird alle Ihre Finanzdokumente zuhause für Sie sammeln, Ihr persönliches Eigentum für Sie trennen, einen neuen Platz zum Leben für Sie finden oder mit Ihrem Ehepartner über Umgangstermine für Ihre Kinder sprechen, nur weil Sie gerade jetzt nicht den Drang verspüren, es lieber selbst zu tun.

Wir Anwälte kümmern uns ausschließlich um die rechtlichen Details Ihres Falles. Punkt. Der Rest liegt ganz bei Ihnen und unterliegt nur Ihrer Verantwortung.

2. Eine Scheidung ohne Anwalt und ohne sonstige professionelle Trennungshilfe.

Scheidung ist überwiegend eine Angelegenheit von besonders hoher emotionaler Tragweite.

Sie werden vielleicht denken, dass Sie vollkommen in der Lage sind, Ihre Gefühle selbst zu kontrollieren.

Aber es ist eine Herausforderung, ruhig zu bleiben und nicht verunsichert zu sein, wenn der andere Partner sich genau auskennt alle Ihre Gefühle auf Knopfdruck zu bedienen. Sie fühlen sich möglicherweise dadurch erpresst, gejagt, wohl möglich als Opfer. Sie verlieren auch Ihren inneren Frieden.

Negative Gefühle bei der Scheidung werden immer wieder vorkommen, sie werden möglicherweise Schlafstörungen, Krankheiten, Depressionen oder sonstige unkontrollierte Gefühlsausbrüche verursachen. Ein Unterdrücken dieser negativen Gefühle wird dazu führen, dass Sie auch Ihre eigenen positiven Gefühle weniger spüren werden.

Wie Sie über eine Situation denken, entscheidet letztendlich darüber, wie Sie sich fühlen werden. Sie sind der ausschließlich Verantwortliche über Ihren inneren Zustand. Sie sollten nicht Opfer Ihrer Emotionen sein, sondern Sie sollten selbst wählen können, in welchem Zustand Sie sich befinden wollen.

Anstatt unter den negativen Gefühlen zu leiden, sollten Sie diesen Emotionen dankbar sein. Sie haben die Funktionen von einem Kompass, der zeigt: „Pass auf, in diesem Bereich deines Lebens stellst du Dir Gedanken vor, die Dir nicht gut tun. Wenn Du dich wieder besser fühlen möchtest, solltest du daran jetzt etwas ändern!“

Nur wenn Sie Ihren inneren Frieden wiederfinden, können Sie Ihre Potentiale wieder entfalten, ausschöpfen und für sich selbst und Ihre Umgebung wieder nutzbar sein.

Es ist in diesem Zusammenhang sicherlich sinnvoll, in Trennungssituationen Hilfe von außen zu holen. Ein Therapeut neben Ihrem Anwalt kann Ihnen beispielsweise beistehen, Ihr seelisches Gleichgewicht wieder herzustellen. Es ist gut und hilfreich einen erfahrenen Scheidungscoach als Trennungshilfe oder Trennungsberatung zur Unterstützung an Ihrer Seite zu haben um die Trennung gut durchstehen zu können damit Sie wieder zurückkehren in Ihre Kraft und Freiheit.

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3. Ein Anwalt für beide Ehepartner bei der Scheidung.

Eine Scheidung hat sowohl persönliche als auch finanzielle Konsequenzen. Niemand sollte meines Erachtens hier leichtfertig auf eine Beratung und juristische Unterstützung durch einen Anwalt verzichten.

Für eine Do It Yourself Lösung sprechen sicherlich Kostengründe, aber keinen eigenen Anwalt zu nehmen kann bei der Scheidung einige ernsthafte Nachteile verursachen.

Es ist nämlich ein Märchen, dass ein Anwalt für beide Ehepartner zur Verfügung steht.

Das darf ein Anwalt rechtlich gesehen gar nicht. Ein Anwalt vertritt nur die Interessen seines Mandanten. Punkt. Der andere Ehepartner hat kein Recht auf eine verlässliche Auskunft vom Anwalt seines Ehepartners.

Besonders bei Scheidungsvereinbarungen kann es sehr heftig werden, weil Fehler nicht so einfach wieder rückgängig gemacht werden können.

Ja, Scheidungsanwälte sind teuer.

Nein, nicht jeder braucht eine umfassende rechtliche Vertretung während der gesamten Scheidung. Es sei denn, Sie haben nichts zu verlieren, und wollen Ihre Scheidung ohne einen Rechtsbeistand durchlaufen. Ohne zu wissen, was Sie genau tun ist riskant, unvernünftig und zumeist ein grober Fehler.

4. Streit um Billiggegenstände über den Anwalt.

Fast jeder Anwalt für Scheidungsrecht hat Geschichten über Paare, die Tausende von Euros ausgegeben haben und um ein Stück persönliches Besitz wie bspw. Staubsauger, Aschenbecher oder auch Gartensteine kämpften, der eigentlich nur wenige hundert Euros wert war – oder auch weniger.

Wenn Sie sich mit Ihrem Ehepartner über Tupperware streiten, hören Sie damit auf!

Fragen Sie sich selbst: „Worüber streite ich wirklich? Was ist hier wichtig?“

Wenn Sie ehrlich sind, verspreche ich Ihnen, dass Ihre Antwort NICHT „die Tupperware“ sein wird.

5. Keine Verantwortung übernehmen und wegschauen.

Es ist gänzlich unwesentlich, ob es Ihre Idee war, die Scheidung einzureichen oder Ihr Ehepartner die Scheidung wollte. Sobald Ihre Scheidung begonnen hat bzw. das Verfahren eingeleitet wurde, MÜSSEN Sie sich endlich damit befassen.

Jetzt nicht den Kopf in den Sand stecken. Vergessen Sie die Vogel-Strauss-Politik bei Ihrer Scheidung.

Sehr häufig stelle ich als Anwalt fest, dass bei aufkommenden Problemen in der Ehe ein Ehepartner ausweichen will. Der Ehegatte verschließt die Augen vor den unbequemen Entwicklungen, wie es dem Strauß aus der Tierwelt nachgesagt wird (Ostrich-Effekt), obwohl so ein Verhalten langfristig leider nur Nachteile bringt.

Indem Sie Ihren Kopf in den Sand stecken, wird Ihre Scheidung nur schwieriger und schmerzhafter. Es wird auch die Wahrscheinlichkeit dramatisch erhöhen, dass Sie nicht das bekommen, was Ihnen in Ihrer Scheidung letztendlich wichtig ist. Egal wie verärgert oder niedergeschlagen Sie sind, stehen Sie auf und treten Sie in Erscheinung. Nehmen Sie Stellung, setzen Sie einige Ziele und beginnen Sie, Maßnahmen zu ergreifen, um diese Ziele zu erreichen. Dies ist eine deutlich sinnvollere Strategie, um langfristig Probleme bei der Scheidung zu vermeiden: Hinschauen, ehe sie heranwachsen.

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6. Heimlicher Auszug mit den Kindern.

Auch wenn es schmerzhaft ist, ziehen Sie niemals heimlich mit den Kindern aus. Es könnte strafbar sein: Wer mit Kindern auszieht, ohne eine Nachricht über den Verbleib der Kinder zu hinterlassen, muss sich u.U. wegen Kindesentführung (§ 235 StGB) verantworten.

Es sei denn, Sie und die Kinder sind Opfer von dokumentierter häuslicher Gewalt geworden und haben bereits ein Anwalt eingeschaltet.

Selbst wenn Sie Ihrem Ehepartner nach dem Umzug Ihre Adresse mitteilen, bedeutet das nicht, dass Sie von einem Richter nicht aufgefordert werden, die Kinder in Ihr Haus zurückzugeben – möglicherweise ohne Sie. Das ist sicherlich nicht wünschenswert.

7. Missachtung gerichtlicher Anordnungen.

Gerichtsbeschlüsse sind staatliche Anordnungen. Sie sind keine Vorschläge oder Empfehlungen.

Nicht das zu tun, was der Familienrichter Ihnen aufgetragen hat, kann dazu führen, dass Sie wegen Missachtung des Gerichts verurteilt werden. Sie müssten dann Ordnungsgeld und Kosten für den Anwalt Ihres Ehepartners zahlen oder auch einer anderen Sanktion wie bspw. Ordnungshaft ausgesetzt werden, die das Gericht unter den gegebenen Umständen für gerechtfertigt hält.

Außerdem macht eine Nichtbefolgung gerichtlicher Anordnungen Sie beim Richter gerade nicht sehr beliebt. Später, wenn Sie den Richter in einer anderen familienrechtlichen Angelegenheit benötigen sollten, denken Sie nicht, dass sich der Richter nicht daran erinnern wird, dass Sie seine Anordnungen in der Vergangenheit ignoriert haben.

8. Um keinen Preis Kompromisse eingehen.

Scheidung erfordert Kompromisse. Punkt. Kompromisse senken Kosten. Solange Ihr Ehepartner nicht kapituliert (was nicht besonders wahrscheinlich ist), werden Sie nicht alles bekommen, was Sie wollen.

Denken Sie daran, dass ohne eine gemeinsame, einvernehmliche Lösung möglicherweise am Ende ein Richter Ihnen noch anordnen wird, Sachen oder Dinge aufzugeben, die Sie auf keinen Fall verlieren wollten.

Sie werden bei einigen Dingen wie Positionen, Meinungen, Forderungen, Ziele nachgeben müssen. Kompromisse sind nicht immer einfach. Dies gilt umso mehr, wenn Sie mit sehr klaren Vorstellungen und Erwartungen herangehen, an denen Sie gerne festhalten würden. Ziel eines Kompromisses sollte sein, die meist gegensätzlichen Positionen, Meinungen, Forderungen, Ziele miteinander zu vereinbaren und eine Einigung zu erzielen, damit Ihr Verfahren nicht endlos dauert und weiter Kosten, bspw. Kosten für einen Anwalt verursacht.

Reden Sie mit Ihrem Partner daher schonungslos offen. Konzentrieren Sie sich auf die Vorteile der Einigung. Es zahlt sich wirtschaftlich, sozial und emotional aus, eine faire und einvernehmliche Scheidung anzustreben und Streitigkeiten außergerichtlich zu klären. Loten Sie daher aus, ob zusammen ein Kompromiss gefunden werden kann, der für beide langfristig gut ist.

9. Kein Überblick über Vermögensverhältnisse.

Ich stelle als Anwalt für Familienrecht sehr oft fest, dass Mandanten überhaupt nicht wissen, was der Ehepartner verdient. Sehr oft herrscht auch Unkenntnis über die Vermögensverhältnisse, insbesondere darüber, wo Vermögen in welcher Form bei welchen Banken verwaltet wird.

Verschaffen Sie sich diese Informationen in Ihrem eigenen Interesse möglichst rechtzeitig.

Erstellen Sie auch eine Berechnung des Budgets für die Zeit vor/nach der Scheidung. Eine Scheidung verursacht Kosten und verfügbare Salden werden dadurch nicht unerheblich beeinflusst, insbesondere Kosten für die Kinderbetreuung und zusätzliche Steuern sind nicht zu unterschätzen. Versuchen Sie daher sich zumindest in groben Zügen zu informieren, ob alle finanziellen Mittel ausreichen werden.

Die Planung von Einnahmen und Ausgaben in Form eines Haushaltsbuches ist eine wichtige Grundlage für Ihre Finanzplanung. Dies könnte Sie davor bewahren, enorme finanzielle Fehler bei der Scheidung zu begehen. Machen Sie also nicht den Fehler, die Budgetplanung auf die lange Bank zu schieben.

Unseren Mandanten empfehlen wir dringend, sich mit einer solchen Budgetplanung vorzubereiten. Sie werden feststellen, dass Ihnen mit einer Budget-Planung der Einnahmen und Ausgaben deutlich mehr Geld zur Erreichung Ihrer langfristigen Ziele übrig bleiben wird.

10. Kontoplünderung.

Glauben Sie wirklich, dass Ihr Ehepartner nicht merken wird, wenn von Ihnen in der Trennungsphase Bankkonten “geplündert“ oder Vermögenswerte beiseite geschafft werden. Wirklich?!

Derartige Aktionen verschärfen nicht die schon belastete Atmosphäre zwischen den Ehegatten, sondern verhindern eine einvernehmliche Regelung der Trennungsfolgen und vereiteln eigentlich auch eine einvernehmliche friedliche Scheidung. Dies ist im Übrigen der schnellste Weg, den ich als Anwalt kenne, dass gegen Ihnen eine einstweilige Verfügung erwirkt wird und darüber hinaus Schadenersatzansprüche des anderen Ehegatten ausgelöst werden.

Sie sollten von derartigen Aktionen lieber die Finger lassen. Machen Sie es richtig. Sprechen Sie mit Ihrem Ehepartner. Unterhalten Sie sich mit Ihrem Anwalt. Sie sollten mit ehelichem Geld keine finanziellen Spielereien anstellen, es sei denn, Sie möchten unbedingt eine juristische Auseinandersetzung mit Ihrem Ehepartner anstreben.

11. Den Kindern alle möglichen furchtbaren Dinge über den Ehepartner erzählen.

Kinder sind oft die Leidtragenden einer Scheidung.

Das Schlechtmachen des anderen Elternteils vor den Kinder verursacht immer nachhaltige Schäden, denn sie verletzen damit langfristig Ihre Kinder. Es spielt hierbei überhaupt keine Rolle, ob Sie Ihren Kindern „die Wahrheit“ sagen, weil die Kinder nach Ihrer Ansicht unbedingt über den „wahren Charakter“ des Ehepartners aufgeklärt werden müssen.

Es gibt einige Dinge, die Kinder einfach nicht über die Eltern wissen müssen. Auch wenn es nachvollziehbar ist, dass bei Ihnen sehr viel Schmerz und Kränkung vorhanden ist.

Ersparen Sie aber Ihren Kinder weiteren Kummer, die ohnehin schon unter der Trennung der Eltern leiden. Bleiben Sie fair und gerecht. Hören Sie auf Ihren Anwalt. Widerstehen Sie der Versuchung, zu viel zu erzählen. Es zahlt sich den Kindern zuliebe aus, seine eigenen Befindlichkeiten hinten anzustellen.

12. Etwas machen nur mit dem Ziel Ihren Ehepartner zu verletzen.

Bei der Scheidung werden die Gefühle sehr oft von Verbitterung und auch Hoffnungslosigkeit beherrscht. Hinzu kommen Enttäuschung, Trauer und Wut über den anderen Ehepartner. Dies umso mehr, wenn der Ehepartner Sie zuvor schwer verletzt hat. Es ist menschlich, einem derartigen großen seelischen Schmerz mit Rache zu begegnen. (Broken-Heart-Syndrom)

Ja, den Ehepartner zu verletzen, kann sich in diesen Momenten für eine Weile gut anfühlen. Wut tut zwar gut, aber sie ist nicht gut.

Denn es wird fast immer dazu führen, dass Sie sich später schlecht fühlen. Versuchen Sie, das zu vermeiden. Vergessen Sie nicht: Am Ende treffen Sie den Ehepartner damit sowieso nicht mehr. Als Anwalt für Familienrecht habe ich dies sehr oft festgestellt.

So groß die Versuchung auch sein mag, beißen Sie sich besser auf die Zunge und konzentrieren Sie sich auf Ihr neues Leben ohne Ihren alten Partner vorzubereiten.

Die infolge der Scheidung verursachten Schmerzen können Sie letztlich nicht wieder ausgleichen, indem Sie dem Ehepartner noch größere Schmerzen zufügen.

Vermeiden Sie es also, diesen inneren Drang zu stillen und behalten Sie einen klaren Kopf. Lassen Sie Provokationen stehen, antworten Sie nur wenn nötig und dann sachlich. Sie werden später froh sein, dass Sie meinen Rat befolgt haben.

13. Die Verantwortung für Betreuung und Erziehung übernehmen.

Wenn Sie und Ihr Ehepartner in kritischen Fragen der Betreuung und Erziehung keine Einigkeit erzielen, müssen Sie Zeit nehmen diese Fragen unbedingt gemeinsam zu besprechen und einen Weg finden diese noch während der Trennung zu lösen.

Der Umgang mit diesen Themen wird sicherlich emotional und auch schwierig sein. Bedenken Sie aber, dass durch ein oder mehrere Kinder Sie nach einer Scheidung verbunden bleiben. Dies wiederum bedeutet eine gemeinsame Verantwortung, die größer als der Schmerz des Einzelnen ist. Sie sollten trotz der eigenen Situation in Kommunikation treten (ggf. über einen Anwalt) und lernen Differenzen zu überbrücken. Es ist wichtig, dass ein ehrlicher und offener Umgang stattfindet, um klare Verhältnisse zu schaffen.

Ihre Beziehung mag zwar letztendlich beendet sein, aber Sie und Ihr Ehepartner bleiben ein Leben lang Eltern.

Wissenschaftlichen Untersuchungen zeigen, dass besonders die ersten Jahre nach der Trennung für die Kinder sehr schwierig zu bewältigen sind und genau hier brauchen sie sehr viel Unterstützung. Die Kinder müssen in dem Moment der Trennung schon in ihre Zukunft vertrauen können und darauf, dass ihnen beide Eltern erhalten bleiben und genau das sollten Sie auch beherzigen.

Die Verantwortung liegt bei ihnen und nicht bei den Kindern. Deswegen müssen Sie und Ihr Ehepartner ihren Kindern nach der Trennung uneingeschränkt weiterhin als verlässliche Eltern bleiben, auf deren Fürsorge und Schutz die Kinder, unabhängig davon was passiert, uneingeschränkt zugreifen können. Das erfordert von Ihnen beiden wiederum sehr viel Selbstdisziplin und auch Anpassungsfähigkeit an die neue Situation. Verschieben Sie diese wichtigen Grundsätze nicht auf ein „irgendwann“ in der Zukunft. Beginnen Sie jetzt schon kooperativ miteinander umzugehen. Nur so werden Sie dem Kind das Gefühl geben, weiterhin gemeinsam da zu sein, was im Grunde der wichtigste Schutzfaktor für das Kind ist.

14. Fehlende Budgetplanung bei der Scheidung.

Trennung und damit verbunden die Scheidung belasten das eheliche und nacheheliche Budget stets stark. Sie stellen im Übrigen eine wichtige Ursache für die Entstehung von Niedrigeinkommen und auch Armut dar.

Als Anwalt für Familienrecht halte ich es für sehr wichtig, dass in jedem Fall für die Auflösung einer bestehenden Ehe zusätzliche Kosten eingeplant werden müssen. Anstelle eines gemeinsamen Haushaltes, werden nunmehr künftig zwei Haushalte existieren, die völlig unabhängig voneinander finanziert werden müssen.

Bedenken Sie, dass Sie vor einer völlig neuen Kosten- und Ausgabenstruktur stehen werden. Beispielsweise werden zusätzliche Ausgaben für die Miete und weiteren laufenden Kosten anfallen. Auch wird das sogenannte Ehegatten-Splitting als Vorteil gegenüber dem Finanzamt komplett wegfallen.

Am besten vermeiden Sie spätere Konflikte und einen finanziellen Alptraum, wenn sie möglichst durch eine Finanz- und Vermögensplanung vieles im Vorfeld regeln, insbesondere wieviel finanziellen Spielraum Sie haben.

15. Sie bitten Ihren Kindern Nachrichten oder Geld dem Ehepartner zu überbringen.

Sie sind erwachsen. Halten Sie Ihre Kinder während der Scheidung raus. Wenn Sie und Ihr Ehepartner Probleme haben, arbeiten Sie diese gemeinsam aus. In bestimmten Fallkonstellationen können Sie für die Kommunikation einen Anwalt für Familienrecht einschalten.

Ziehen Sie Ihre Kinder nicht mit ein.

Ein Kind, das sich in der Rolle des Verbündeten von Vater oder Mutter sieht, muss seine eigenen Interessen unterdrücken, um die Erwachsenen nicht noch mehr zu belasten.

Kinder sollten nicht als Munition in die Streitigkeiten als Partner einbezogen und instrumentalisiert werden.

16. Kein gemeinschaftlicher Terminkalender für die Kinder in der Zeit der Trennung und Scheidung.

Die Übersicht über alle Aktivitäten Ihrer Kinder zu behalten, insbesondere bei Umgangsterminen oder auch bei ärztlichen Terminen oder schulischen Ereignissen ist für eine intakte Familie eine Herausforderung.

Wenn Sie sich in einer Scheidung befinden, oder wenn Sie geschieden sind, kann die Verwaltung des Alltags der Kinder noch schwieriger werden. Es gibt viele digitale Elternprogramme (z.B. https://coot.fr), die Ihnen helfen können, den Zeitplan Ihrer Kinder zu organisieren, so dass jeder Elternteil genau weiß, was für die Kinder zeitlich ansteht. Diese Kalender haben sich als sehr hilfreich für eine verbindliche Kommunikation der Eltern erwiesen.

Je früher Sie anfangen, diese Art von Kalendern zu benutzen, desto leichter werden Ihre Kinder mit der neuen Situation besser umgehen, und damit verbunden wird möglicherweise auch das Stressniveau der Beteiligten, aber auch des Anwalts reduziert, was nicht vernachlässigt werden sollte.

17. Die steuerlichen Auswirkungen Ihrer Ehescheidung nicht berücksichtigen.

Die vielfältigen steuerlichen Auswirkungen nicht zu bedenken, bevor Sie rechtskräftig geschieden sind, ist einer der größten Scheidungsfehler, den Sie machen können.

Steuerlich betrachtet hat die Scheidung sowohl Vor- als auch Nachteile, zumindest für eine der Scheidungsparteien. Sie müssen sicherlich kein Wirtschaftsprüfer oder Steuerberater sein. Aber, wenn Sie nicht einige grundlegende steuerliche Fragen bei der Trennung und Scheidung verstehen, werden Sie vielleicht feststellen, dass der tatsächliche Geldbetrag, den Sie in Ihrer Scheidungsvereinbarung erhalten, sich grundlegend von dem Geldbetrag unterscheidet, den Sie glaubten tatsächlich zu bekommen.

Bevor Sie einer Scheidungsvereinbarung zustimmen, lassen Sie die Zahlen daher unbedingt neben Ihren Anwalt auch von Ihrem Buchhalter oder am besten von einem Spezialisten überprüfen. Das reduziert das Risiko, dass Sie später finanziell nachteilig überrascht werden.

18. Geld verstecken oder verschwinden lassen.

Zu diesem Thema gibt es unterschiedliche Meinungen. Wenn Sie Geld verstecken bzw. verschwinden lassen und nicht erwischt werden, dann scheint dies auf dem ersten Blick (Geld verschwinden zu lassen läuft sehr schnell auf einen Betrug bzw. eine Unterschlagung hinaus) eine gute Idee zu sein. Als Anwalt für Familienrecht empfehle ich dies aber nicht.

Das Problem ist, wenn Sie erwischt werden (und die meisten Leute werden es auch), werden Sie in der Regel viel mehr Geld zahlen, als Sie bezahlt hätten, wenn Sie von Anfang an ehrlich gewesen wären.

Und, ob Sie es glauben oder nicht, das kann sehr leicht passieren. Vielleicht kommen Sie jetzt mit dem Diebstahl des Geldes davon. Aber eines Tages, auf irgendeine Weise, werden diese Taten aus der Vergangenheit auf Sie zurückkommen und möglicherweise fatale Folgen haben.

19. Sich nicht vergewissern, dass Ihre Umgangsregelung funktioniert.

Vieles aus der Umgangsvereinvereinbarung, was vielleicht auf dem Papier gut aussieht, erweisen sich im wirklichen Leben möglicherweise als Alptraum.

Es ist schwer zu beurteilen, ob der Umgangsplan bei Ihren Kindern funktioniert oder nicht, wenn nicht eine bestimmte Zeit vergangen ist. Sie können feststellen, dass Ihre Kinder nicht gut mit dem Zeitplan umgehen, den Sie und Ihr Ehepartner aufgestellt haben. Oder Sie können feststellen, dass der Austausch der Kinder während der Zeit des Berufsverkehrs das Leben beider Elternteile erschwert.

Der beste Weg, um einen Elternzeitplan zu erstellen, ist es zumindest dies aufzustellen und mit dem Plan eine Zeit lang zu leben, den Plan dann bei Bedarf zu ändern und ihn dann in Ihr endgültiges Scheidungsurteil mit Ihrem Anwalt in Form einer gerichtlichen Umgangsvereinbarung einzubringen.

20. Ihre Scheidungsurteile können jederzeit später geändert werden.

Es gibt viele Menschen, die Bedingungen in ihr Scheidungsurteil aufnehmen, mit denen sie nicht wirklich einverstanden sind, weil sie annehmen, dass sie diese Bedingungen einfach später ändern können. Das ist nicht immer wahr! Während die Regelungen Ihres Scheidungsurteils, die sich auf Ihre Kinder beziehen, u. U. mit Unterstüzung von einem Anwalt veränderbar sein können, sind die finanziellen Teile Ihres Urteils möglicherweise nicht mehr veränderbar.

Darüber hinaus, erfordert das Ändern Ihres Scheidungsurteils ein weiteres gerichtliches Verfahren und das wird Sie Zeit und Geld kosten. Es gibt auch keine Garantie, dass der Richter Ihnen erlaubt, die gewünschte Änderung vorzunehmen.

Wichtige Empfehlungen zur Vermeidung von Fehlern bei der Scheidung.

Wenn Sie es vermeiden wollen, kritische Scheidungsfehler zu begehen, gibt es zwei Dinge, die Sie beachten müssen.

1) Sie sollten sich bereits frühzeitig gründlich informieren

2) Sie sollten das beste anwaltliche Scheidungsteam zusammenstellen, das Sie finden können.

Mit dem richtigen Wissen und den richtigen Informationen sollten Sie in der Lage sein, die schlimmsten Scheidungsfehler zu vermeiden. Das wird Sie wiederum in die bestmögliche Position bringen, um ein neues Leben nach der Scheidung zu beginnen und sich für die Zeit nach der Scheidung umzustellen.

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